26. November 2008

Experimente

Viel zu selten experimentiere ich im Studio. Aber weder das Tagesgeschäft noch mein Projekt lässt hierfür Zeit. Nur als Manuela hier war, da war Zeit. Da musste die Zeit da sein - und sie war da. Es hat mir viel Freude bereitet, sie einzuweisen. Es war eine gute, eine besondere Zeit. Eine Zeit auch für mich des Bewusstwerdens, der erneuten Erkenntnis des Enstehens eines Bildes. Zuviel Routine ist inzwischen im Spiel, bei aller Liebe für das Medium, mit dem ich es zu tun habe. Das ich liebe. Die Begeisterung, die meine Praktikantin entwickelte, spornte auch mich an. Ich bin davon überzeugt, dass sie begabt worden ist. Und dass es eine Begabung ist, die es zu fördern gilt. Das Versprechen habe ich ihr gegeben. Für Deinen weiteren Lebensweg alles erdenklich Gute!

20. November 2008

Mittendrin

Mitten in den ersten Arbeiten zum Projekt tauchen alte Freunde auf. Und besuchen mich. Wie wunderbar das war. Wie gut, wenn man einmal zwei Stunden nur von der Arbeit und dem Projekt sprechen kann. Und aufmerksam zugehört wird. Anteil genommen wird. Das verlernt ein fotografischer Einzelkämpfer sehr schnell. Wenn man immer nur selbst spiegelt. Und kaum noch Austausch da ist. Vielen Dank für euren Besuch. Dank für die Zeit. Danke für die offenen Ohren. Was ihr für mich getan habt werde ich ohnehin nie vergessen. Danke, lieber Freund, für die fotografischen Eindrücke, die Du hinterlassen hast und die ich mir erlaube hier zu zeigen. Danke für Deinen offenen Zuspruch. Danke, liebe Freundin, für all die Unterstützung. Danke dafür, dass Du vom ersten Augenblick an mich geglaubt hast. Und noch ein Letztes zu den negativen Eindrücken, die ihr leider auch beim Besuch in der alten Heimat mitgenommen habt: »Ich bin Künstler geworden, weil es nie eine Gruppe gab, in die ich hineingepasst hätte.« Tom Waits

13. November 2008

Nach innen

Nun bald ist es Zeit, nach "Innen" zu gehen. Zeit, langsam wieder die Kerzen vom Speicher zu holen, die Kugeln, den Baumschmuck. Meine Eltern leben nicht mehr - und ich gehe inzwischen ganz anders mit dieser Vergangenheit um. Damals, als kleine Kinder, liebten wir Weihnachten. Späterhin wollten wir es nicht mehr lieben, wenngleich es noch immer prickelte. Dann aber kam die Zeit des inneren Lösens und so durfte man es nicht mehr lieben. Heute hätte ich gerne einmal einen solchen Tag wieder. Einen Tag der Vorbereitung auf die Weihnacht. Den Streit beim Schmücken des Baumes, den Duft des Bratens, der durch das Haus zog. Die pommerschen Buchweizen-Scheiben, die in der Pfanne vor sich hinbruzzelten. Diese zähen, nicht enden wollenden Stunden bis zur Bescherung. Vielleicht gibt es noch hinter diesem oder jenem Fenster so ein stilles Weihnachten.

9. November 2008

In der Luft hängen

Ist es denn schlimm, wenn so einiges in Hessen in der Luft hängt? Schlimm wohl nur, wenn es lauwarm wird. Wenn keine Entscheidungen gefällt werden können. Wenn es weder Fisch noch Fleisch gibt. Wenn Stillstand ist. Mir war ein Wechsel nicht unrecht, nicht nur, wenn ich über den großen Teich schaue. Wechsel ja, aber wohin wechseln? Wechsel dahin, dass es gerechter zugeht? Dass die Schere nicht weiter auseinander geht? Dass es wirkliche Chancengleichheit gibt? Dass Leben geschützt wird? Dass die Schöpfung bewahrt wird? Nur: wer steht für einen solchen Wechsel?