31. Dezember 2008

Betrachten

Wer mich kennt, der weiß, dass das Betrachten bei mir eine besonderen Rolle spielt, nicht nur das photographische. Es ist wieder einmal Zeit zum Betrachten. Sich darin zu üben, die virtuellen Karteikarten immer wieder aufsteigen zu sehen, sie, möglichst nicht wertend, zu betrachten und wieder verschwinden zu lassen. Immer wieder. Welche Zeit ist dafür mehr geeignet als das Ende eines Jahres und der Beginn eines neuen? Und wenn man dann noch erkrankt ist und bei dem schönsten Sonnenschein wie als kleiner Junge nur den anderen Kindern beim Spielen zusehen darf um so mehr. Der Ausblick, den ich - dank meines lieben Bruders Martin - in diesen Tagen genießen darf, tröstet ein wenig hinweg. Zeit zum Betrachten. Ohne zu werten. Das fällt nicht leicht. Mögen die Nebel fallen... allen meinen Kunden, allen meinen Freunden, allen Wegbegleitern, allen Unterstützern und Förderern, meinen Geschwistern und meiner Familie wünsche ich einen guten Gang in ein neues Jahr..

28. Dezember 2008

Estes

Immer wieder, gerade im urbanen Umfeld, treffe ich auf Motive, die mich unweigerlich an die Zeit erinnern, in der ich zur Photographie gekommen bin. An die Zeit, in der ich mich mit Amerikanischen Fotorealismus beschäftigte und sehr schnell bei Richard Estes landete. Eine Zeit, in der ich noch in der Verlagsbranche beschäftigt war und jeden Feierabend nichts anderes tat, als mich mit Malerei und Photographie zu befassen. Gestern war ein phantastisches Licht. Und wir waren unterwegs. Dieses Licht war einfach atemberaubend, und ich machte endlich wieder einmal Bilder außerhalb des Studios. Und ein Motiv war es, bei dem ich sofort an eine Estes-Szene denken musste.

22. Dezember 2008

Weihnacht

»Weihnachten sagt uns: Gott holt uns ab, gleichgültig, wo wir stehen.« Helmut Thielicke Allen Besuchern dieses Tagebuchs, allen meinen Freunden, allen meinen Kunden wünsche ich friedvolle Weihnachten...

Spuren

Einige der aufmerksamen Leser meines Blogs wissen, was mit mir ist. Und einige wissen auch, dass ich mich für Nicht-Perfektion interessiere, nein, dass ich sie für human halte. Und oft wurde mir gesagt, dass ich einen Hang zum Morbiden habe. Ganz sicher mag ich es, wenn Leben abzulesen ist. Wenn Dinge wie ein Ledersofa, ein schönes altes Auto, eine Häuserfassade, eine Kamera, ein Gesicht Spuren erkennen lassen. Gerade möchte ich einmal keine Spuren, vielmehr keinen Grund für tiefe Spuren. Aber danach wird man nicht gefragt. Manchmal werden die Fensterscheiben nicht eingeworfen, sondern sie fallen einfach ein. Dieser Tage wurde ich in den Psalmen getröstet: »Herr, mein Fels, meine Burg, mein Erretter; mein Gott, mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Berg meines Heiles und mein Schutz!« (Psalm 18)

13. Dezember 2008

2. Dezember 2008

Freund

Vor vielen Jahren, als mein Vater noch lebte, schrieb ich ihm einen Brief. Ihm scheinbar zur Beruhigung, mir zur Erklärung und Rechtfertigung. In diesem Brief beschrieb ich ihm mein ambivalentes Verhältnis, das ich zu Glauben, Kirche, Gemeinde und mehr hatte. Meine Mutter gab mir diesen Brief lange nachdem mein Vater nicht mehr da war. Sie sagte mir, dass er geweint hatte als er ihn las und das nicht nur einmal. Nun war dies nichts außergewöhnliches und vielleicht würde es ihn trösten, dass es seinem jüngsten Sohn inzwischen, diese Schwäche betreffend, ähnlich geht. Aber ich nahm meinen Brief an ihn in die Hand. Und in ihm schrieb ich, dass ich Gemeinde und Gottesdienst nicht brauche; denn Bach zu hören sei für mich der vollkommene Gottesdienst. Er hatte, mit seinem für ihn typischen roten Stift ein großes "Ja" daneben und ein Ausrufungszeichen dahinter geschrieben. Leider kann ich ihn dafür jetzt nicht in den Arm nehmen und vermutlich ist es auch besser so; denn dann müsste meine Mutter zwei weinende Männer ertragen. Nicht nur, weil mein Verhältnis zu Glaube, Kirche, Gemeinde und Gott ein anderes geworden ist, sondern weil sich an meiner Aussage, die mein Vater markierte hatte, nichts geändert hat. Bach in dieser Zeit zu hören ist vollkommener Gottesdienst. Und speziell für meinen Freund Markus habe ich dieses hier herausgesucht. Lieber wäre es mir, wenn wir zwei das live erleben könnten oder es zumindest in besserer Qualität daher käme, aber daran arbeite ich noch, mein Guter... speziell für meinen Freund Markus