21. April 2009

Abschluss

© jörg kassühlke
Ein spannender Abend. Ein Projekt steht vor dem Abschluss. Und ich kann es noch nicht ganz fassen. Alles scheint »im Kasten«. Es geht nun darum, Abstand zu gewinnen, um eine Auswahl, die Auswahl zu treffen für die Ausstellung. Da braucht es dringend Abstand.
Früher - vielleicht kennen das die Kollegen noch - hatte man die Bilder im Kasten, einen Haufen Filme lagen auf dem Bett im Hotelzimmer oder daheim. Und wenn der Auftraggeber keinen Druck machte oder wenn es bei einer freien Arbeit gar keinen Auftraggeber gab, dann ließ man zunächst die vollen Patronen liegen.
Heute ist das etwas anders. Und dennoch halte ich es oft so, dass ich alles sickern lassen. Abstand ist nicht nur hier gut. Abstand gewinnen ist in vielen anderen Bereichen eine gute Therapie.
Es wird nun wirklich spannend. Und ich freue mich. Auf den nötigen Abstand. Auf die schwierige Arbeit des Auswählens. Auf das, was übrig bleiben wird.

16. April 2009

Berührungen

Berührt sein. Zur Zeit bin ich bei den Arbeiten zu meinem Projekt sehr oft berührt. Obschon andere das, was ich da erleben darf, gar nicht als Berührungen bezeichnen würden.
Da ist ein alter Mann, der seit vielen vielen Jahren seine kranke Frau pflegt. Und dies mit einer Würde, mit einer Liebe, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich zutiefst gerührt hat. Da sind Menschen, die in ihrer zweiten Lebenshälfte oder am Ende ihres Lebens erfüllt sind. Mit Bildern, mit Begegnungen ihres Lebens, mit dem, was sie hinter sich zu haben scheinen.
Und oft frage ich mich, womit ich es verdient habe, dies festhalten zu dürfen...

13. April 2009

Besonders

© jörg kassühlke
Ein besonderer Tag. Auch für mein aktuelles Projekt. Eine wunderbare Begegnung mit einer interessanten Frau, die mit ihren 81 Jahren sehr viel Lust und Mut macht auf das Altsein. Zufrieden, agil, beweglich - geistig wie körperlich -, selbständig, autark. Mehr dazu schon bald auf meiner Internet-Präsenz unter "altersbilder". Es geht also weiter. Und das an ein paar Tagen, in denen ich seit Wochen zum ersten Mal etwas Ruhe haben darf. Etwas Abstand zu dem, was mich in den vergangenen Monaten nach Schließung des Ateliers in Atem hielt. Das tut gut. Lässt Zeit, zu betrachten, was nun ist und kommen könnte.
Meine Eltern nannten mich Jörg, und Jörg stammt von Georg, "der Landmann". Das spüre ich hier wieder, dass "Nomen" "Omen" sein kann. Bei mir ist es so. Auch wenn ich das platte Land nicht so liebe, aber das ländliche in jedem Falle. Der Hof, auf dem Katharina mich empfing, damit ich sie fotografierte, hat es mir angetan. Auch gerade das, was schon alt und lange in Gebrauch ist. Einfach besonders.

6. April 2009

Ausser sich

Es gibt Momente, in denen man »außer sich« ist und vielleicht habe ich darüber hier auch schon einmal geschrieben. Augenblicke, in denen man das Verschwommene vor den Augen sucht, in denen man vielleicht ein wenig in sich selbst hineinschaut, vielleicht aber auch gar nirgendwo, in einer Art »Nichts« sich aufhält, um einfach einmal ohne äußere Einflüsse zu sein, die Augen und die Seele für Sekunden pflegt. Vielleicht will ich es auch gar nicht aufspießen, sondern einfach unbenannt lassen. Ich erinnere mich an die Verfilmung von »Ansichten eines Clowns«, in der es eine Szene gibt, in welcher der junge Hans Schnier, der Junge, seine größere Schwester im Garten sieht. Und er sie fragt, woran sie denkt. Und sie darauf antwortet: »An nichts. Ich denke an nichts.« Das ist ein Zitat, das aus dem Kopf erfolgt und somit ohne Gewähr.
Ich liebe diese Momente. Und entdecke sie sehr oft bei Kindern. Diesen Momenten ist eine kleine Serie gewidmet und sie wurde auch in meinem Atelier einmal ausgestellt.