27. Juli 2009

Stürmisch

Weiß ich den Weg auch nicht, du weiß ihn wohl; das macht die Seele still und friedevoll. Ist's doch umsonst, dass ich mich sorgend müh, dass ängstlich schlägt das Herz, sei's spät, sei's früh. Du weißt den Weg ja doch, Du weißt die Zeit, dein Plan ist fertig schon und liegt bereit. Ich preise Dich für Deiner Liebe Macht, ich rühm die Gnade, die mir Heil gebracht. Du weißt, woher der Wind so stürmisch weht, und Du gebietest ihm, kommst nie zu spät; drum wart ich still, Dein Wort ist ohne Trug, Du weißt den Weg für mich, - das ist genug Hedwig von Redern (1866 - 1935)

22. Juli 2009

Verkniffen

Manchmal sieht man mit geschlossenen Augen besser? Sicher fällt den meisten hier der kleine Prinz ein. In diesen wundervollen Tagen begegnete mir dieser Gedanke neu. Nicht von mir kam er. Und ich könnte ihn so nicht wiedergeben; denn der Mensch, der ihn mir beschrieb, müsste es wieder tun und doch nicht. Wobei kein Wort es umschreiben kann, was ich fühlte, als ich ihn hörte. Klar und dicht. Überhaupt nicht verschwommen. Klarer als jedes Auge, jede Linse es sehen könnte. In einer Tiefe... mit geschlossenen Augen denke ich daran und sollte besser schweigen...
so blieb mir nur der Griff zur Kamera. Ohne echtes Ziel sah ich nach draußen. Nicht einmal das Fliegengitter konnte mich stören. Nur die Wolken waren es, mit denen ich gerne mitgezogen wäre, nur diesen einen Moment lang.

13. Juli 2009

Unwesentlich

In einem Interview - leider finde ich gerade das genaue Zitat nicht - sagte Paolo Roversi einmal, dass Schärfe unwesentlich sei. Das sehe ich, in den meisten Fällen zumindest, nicht anders. Es gibt ein wunderbares Buch mit einer Sammlung Porträts, die aus der Box von Cartier-Bresson stammen. Da ist beinahe keines der Bilder mit ausreichender Schärfe gesegnet; zumeist wegen mangelhafter Lichtverhältnisse. Aber dennoch sind - für mich - alle Porträts wesentlich, da das Wesen des Abgebildeten ganz offenbar zum Vorschein kommt. Also Schärfe ja, aber nicht »um jedem Preis.«

10. Juli 2009

Bin ich

»Immerfort empfange ich mich aus Deiner Hand. Das ist meine Wahrheit und meine Freude. Immerfort blickt Dein Auge mich an, und ich lebe aus Deinem Blick, Du mein Schöpfer und mein Heil. Lehre mich, in der Stille Deiner Gegenwart das Geheimnis zu verstehen, dass ich bin. Und dass ich bin durch Dich und vor Dir und für Dich.«
Romano Guardini

9. Juli 2009

Licht und Leere

© jörg kassühlke
Zur Zeit gibt es in der internationalen Fotokunst eine Bildersprache, die mich anzieht und auch zuweilen erschaudern lässt. Sie zieht mich oft an, weil sie sauber, klar und sonderbar aufgeräumt ist. Sie lässt mich erschaudern ob ihrer Gleichförmigkeit. Zu oft die selbe Anmutung, die selbe kühle Farbigkeit, zu auswechselbar oftmals das, was man zu sehen bekommt. Zu wenig eigene Handschriften, die mich neugierig machen, die mich entdecken lassen. Anders hingegen manchmal das, was junge Lichtbildner in flickr und Co. zeigen. Neue Perspektiven, experimentierfreudig, oft gar nicht klar und auch sehr oft überhaupt nicht konzeptionell. Erfrischend manchmal, wild, ungezähmt, eine freie Art des Sehens, die mir Spaß macht. Konzeptionell... ja. Aber manchmal will ich nicht konzeptionell...

2. Juli 2009

Zusammen

Das ist etwas, das mich schon während der Fertigstellung des Projekts »Altersbilder«, sehr beschäftigte: liebe-volle Beziehung. Ein Mann, der seine Frau schon seit vielen Jahren pflegt, und mir - als ich ihm und seiner Frau begegnen durfte - einen Kloß in den Hals schickte mit seiner Art, wie er mit seiner Liebe umging. Mehr dazu in meiner Wanderausstellung, die am 9. Oktober in Bad Orb beginnen wird. Aus dieser Begegnung ist ein weiteres Projekt entstanden, auf das ich mich mehr freue als ich mir selbst zugeben mag; denn man möchte es nicht zu oft benennen, damit es nicht unwirklich wird. Liebe-volle Beziehungen. Der Mann, dem ich aber hier mit seiner Liebe begegnen durfte, hat mich schon in seinem Umgang mit alten Menschen sehr beeindruckt. Lieber Herr Lange ... Sie haben mich wirklich sehr berührt mit ihrer Art, wie sie mit alten Menschen umgehen und sie motivieren, auch wenn ich noch viel zu wenig gesehen habe. Danke auch für Ihr Vertrauen, dass sie mir dieser Tage erneut entgegenbrachten; es war mir eine Ehre.

1. Juli 2009

Einfrieren

Es gibt Augenblicke, die ich gerne einfrieren möchte. Manchmal sind es sogar Minuten, zuweilen Stunden oder Tage. Wo ich förmlich die Zeit anhalten möchte. Darüber ist soviel gesagt oder geschrieben worden, und es hängt einem vielleicht sogar soweit aus den Ohren, dass man es abschneiden könnte. Aber dennoch gibt es dieses Phänomen, diese Wünsche, und in dieser Zeit, die ich gerade erleben darf, taucht es häufiger auf denn je. »Werd' ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zugrunde gehn!«, (Goethe, Faust I). Erstaunliches aus der Tastatur eines Mannes, der vor kaum einem halben Jahr sein Atelier schließen musste und dessen Lebenssituation - sagen wir 'mal - nicht gerade einfacher geworden ist? Trösten die Augenblicke? Tröstet mich das Wort eines großen Dichters? Sicher haben mich Worte eines Dichters schon trösten können, wenn auch nicht aus der Feder des Mannes, den ich oben zitierte; dann schon eher dieses Mannes: »In einer großen Liebe verliert man sich nicht, man findet sich.« Hermann Hesse