31. August 2009

Hände

Heute bin ich angesprochen worden, ob ich nicht einmal eine Ausstellung mit Bildern von Händen machen möchte. Warum? Es gibt sehr viele Bilder von Händen, die ich gemacht habe. Hände sind für mich oft mehr Ausdruck der Persönlichkeit eines Menschen als beispielsweise die Augen. Hände spiegeln oft das wieder, was das Leben und Umfeld eines Menschen ausmachen kann. Hände von alten Menschen finde ich oft anrührend. Sie haben zuweilen sogar - wie in einigen anderen Dingen auch - etwas von den Händen eines Neugeborenen. Es klingt vielleicht seltsam, aber ich bin oft von »Händen berührt«, jetzt einmal nicht im doppelten Sinne. Und es zeigt das, was mich in der Kunst, in der Musik, in der Photographie, in der Literatur am meisten interessiert: berührt zu werden und zu sein - und zu berühren.

24. August 2009

Sehnen

Ist der Spätsommer schon greifbar? Eine besondere Zeit für mich. Macht es etwas mit einem Menschen, wenn die Zeit anbricht, in der man zur Welt gekommen ist? Ist das ein seltsamer "Glaube"? Es ist mir egal. Für mich ist diese Zeit, in der sich alles darauf vorbereitet, dass der Spätsommer eingeläutet wird, man jeden Tag in vollen Zügen genießen mag, der noch nach Sommer schmeckt, eine schöne und gute Zeit. Er hat etwas von Halten-wollen, von Wehmut, von Ich-will-Dich-noch-haben. Ist das schlecht? Ist das Sehnsucht, wenn man etwas traurig über das ist, was schon hinter einem liegt? Wohl kaum, aber es ist Sehnsucht danach, noch einen Sommer erleben zu dürfen. Ihn wieder erleben zu dürfen. Und das ewige alte Spiel des Absterbens und der Auferstehung.
Es gibt Orte, an denen ich diese Momente besonders genieße. Und dazu muss ich keine tausende Kilometer fliegen oder fahren. Sie liegen oft gleich um "die Ecke". Und haben sogar meist etwas, das mir keine Ferne bieten kann.

17. August 2009

Bewegend

Bewegende Wochen und Tage, in denen sich manchmal alles nur noch zu drehen, oft vieles so unhaltbar scheint. Und mir wieder einer meiner liebsten Lyriker einfällt: »O taumelbunte Welt, Wie machst du satt, Wie machst Du satt und müd.« (H. Hesse)
Finanzkrise, Weltwirtschaftskrise, Ende der Rezession... Auf die Hitze des Tages folgt am Ende das Gewitter und die erhoffte Abkühlung. Was suche ich mehr? Die Hitze, das Gefecht, die Momente, in denen man mittendrin steckt und es ohne Ende zu fließen scheint oder den Augenblick des Abkühlens, wenn betrachtet werden kann, was da war. Vielleicht beides?
Mag sie sich drehen, die taumelbunte Welt. Mag ich mich auch drehen und manchmal nicht wissen wo ich stehe, wenn die Augen wieder geöffnet sind. Und mag die "Walze" auch weiterwalzen... »Wie sähe die Welt aus, hätte sich die nackte Walze einer Geschichte ohne Christus über sie hinweg geschoben.« (Heinrich Böll)

11. August 2009

Vor Zwölf

In diesen Tagen trifft man als Zurückgebliebener Vertraute, Freunde und Bekannte nur virtuell an. Allüberall bewegen sie sich auf Asphalt, Schienen oder Luftwegen. Und es ist schon eine gehörige Portion Fernweh in dem, was ich hier gerade selbstbemitleidend von mir gebe. Gleichsam ist der Hauptgrund (andere Gründe werden nicht preisgegeben) meines Hierbleibens ein so spannender, aufregender, dass ich's mir nicht verdrießen lassen will. Es ist glücklicherweise noch nicht fünf vor Zwölf, aber der Tag der Ausstellungseröffnung kommt näher. Es gibt viel zu tun und ich sitze, mit wenigen Unterbrechungen, viel an den vorletzten Arbeiten. Anstrengend schön.

Evang. Bildungszentrum - ebz: „Altersbilder“ - Fotografien von Jörg Kassühlke

4. August 2009

Verwandlungen

»Damit wir innerlich gesund bleiben, müssen wir uns ständig wandeln«, schreibt Anselm Grün. Vermutlich ist es etwas, das mir leicht fällt. Nicht die äußerliche Wandlung, sondern die innere. Es hat etwas mit der Vermeidung von »Stillstand« zu tun; wobei mir bei diesem Begriff sofort ein Lied meines Freundes Tobias einfällt: kass|ühlke Stillstand ist eine der wenigen Zustände, vor denen ich mich wirklich fürchte. Weil ich es selbst erlebt habe, dass Stillstand krank machen kann. Wandlung, auch Verwandlung, hat etwas mit Mut zu tun. Es ist eine Entscheidung. Und das ist etwas, das mir früher so gar nicht klar war: dass es eine Entscheidung ist. Und zuweilen sogar zwingend dazu führen muss, mich immer wieder zu entscheiden, täglich. In dieser Phase meines Lebens wird gerade alles verwandelt, wie mir scheinen will. Eine spannende, eine aufregende und schöne Zeit. Vielleicht die schönste Zeit meines Lebens. »Jedes Erleben verwandelt uns. Alles, was uns widerfährt, alles, was uns berührt und was wir berühren, bewirkt etwas in uns und ruft etwas in uns hervor. Die Freude, die wir spüren, wandelt uns.« (Quelle: Anselm Grün, Verwandlung, Eine vergessene Dimension geistlichen Lebens, Matthias-Gründewald-Verlag, Mainz)