13. Februar 2010

Clown

© jörg kassühlke Bin kein Freund des Karnevals, des Faschings, wie man in dieser Region es nennt. Habe in Venedig Masken und Kostüme gesehen, die mich beeindruckt haben. Aber das, was es hier in meinem Zuhause zu sehen gibt, ist nicht wirklich meine Sache. Ist das schlimm? Verliere ich jetzt Freunde? Wie auch immer: clowneske Begabung, Verkleidung, Theater und Schauspiel können faszinieren, wenn es kreativ und verspielt ist und finden mein Gefallen, wenn es nicht nur um Bier und Schnaps geht. Das Spannendste aber; das, was mich wirklich an alledem interessiert ist: der Mensch. Das Geheimnis Mensch, das sich für mich nur irgendwie auflösen lässt, wenn der Schöpfer dahinter gedeutet und gesehen wird, dessen Abbild das Mysterium Mensch ist und sich nur hier ansatzweise entschlüsseln lässt. Und es taucht einer der Verse des Neuen Testaments auf, der mir am meisten bedeutet: »Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin.« (1. Korinther 13) Entstanden mit meiner derzeitigen Traumkombination für Portraitfotografie: LEICA M9 und Summilux 1.4/50 mm asph.

9. Februar 2010

Ohn-macht

Sieht man schlecht, wenn man wenig sehen kann? Ist es wirklich ein Handicap, wenn es undurchsichtig oder nebelig ist oder wird? Ganz sicher liebe ich das Licht. Und das meine ich auch im übertragenen, tieferen Sinne. Aber ich liebe auch Novembernebel; sogar wenn sie im Februar das Weiß verschleiern. Wenn der Schnee bis an den Oberschenkel reicht, man förmlich darin versinkt. Wenn gar nichts mehr klar scheint, aber dennoch nicht unklar ist. Wenn wir mit unseren unvorstellbar vielen Mitteln zuweilen macht-los sind, dann fühle ich mich nicht unwohl. Ganz im Gegenteil. Ohn-macht ist eines meiner Lieblingsthemen. Es ist nicht schlecht, wenn man, wenn wir nichts tun können. Dann kann ein ganz Anderer "tun". Und das ist das Beste, was uns passieren kann, so glaube ich.

1. Februar 2010

Breughel

Noch nicht von einer Erkrankung genesen, wagte ich mich einige Meter aus dem Haus; denn Licht und traumhafte Schneelandschaften waren einfach zu verführerisch. So stand ich auf einem Hügel, der in dieser Jahreszeit viele Menschen mit ihren Schlitten anzieht. Nach kurzer Zeit war ich stark erinnert an ein Gemälde von Breughel. Und sah beinahe nur noch dieses Gemälde vor meinem inneren Auge, als ich die Leica aus der Tasche nahm und mein Bild förmlich machen musste. Eine wunderbare Atmosphäre, in der ich mich bewegen durfte. Schon in der Dämmerung, aber noch merkwürdig gleißend helles Licht am Firmament. Eine klare Sicht, Bäume markierten kristallscharf Ansichten, die wie gemalt schienen. Und überall Bewegung, Gespräch, lachende Kinder, Menschen, die sich schon seit ihrer Kindheit kennen und an diesem Ort viele Stunden gemeinsam verbracht haben. Kinder, die mit Großmama, Opa, Tante oder Geschwistern Platz nehmen und die eisige Fahrt nach unten wagten.