27. Juli 2010

Wirklichkeiten

Die Wirklichkeit ist das spannendste Motiv. Auch das spannendste Motiv, um überhaupt zur Kamera zu greifen. Sicher gibt es Gründe und auch unabwendbare Notwendigkeiten für Inszenierungen. Und es gibt ja auch wahrlich Meister dieser Herangehensweise. Meine Sache ist es nicht. Kann mich diebisch freuen über »urplötzlich vor mir auftretende Bühnenbilder«, wie ich es nenne. Und ich habe diesem Gedanken, dieser »Idee« - vielmehr ein Freund, den ich hierdurch herzlich grüßen möchte (Hallo Dieter!) - einen kleinen Zyklus gewidmet, der ganz langsam aber stetig umfangreicher wird. Bis vor kurzem (vor dem Umbau) waren drei Arbeiten aus diesem Zyklus im Foyer der Leica Camera AG in Solms zu sehen. Dieter hatte meinem kleinen Zyklus den Namen »Instant Venues« gegeben. Ein letztes Bild für diesen Zyklus ist vor wenigen Tagen entstanden. Und auch hier freute ich mich darüber, wie sich mir dieses Bild nahezu von allein präsentierte. Das Licht stand wunderbar, wenn es auch durchaus mehr hätte sein können. Aber den Schatten, den es warf, liebe ich sehr. Ein Blick hinter die Kulissen einer kleinen Kirche. Bin mir sicher, dass man dies niemals so überzeugend inszenieren könnte, wie es sich mir förmlich aufgedrängt hat. (Foto: © jörg kassühlke)

22. Juli 2010

Tief

Wer mich kennt weiß, dass ich seit Jahren mich für Momente interessiere, in denen man - wie ich es nenne - »außer sich ist«. In denen die Zeit still zu stehen scheint. In denen ich kaum noch spüre, dass ich in einem Körper gefangen bin. Momente, die bei Kindern deutlich häufiger vorkommen, wie mir scheinen will, als bei Erwachsenen. Gerade gestern sah ich wieder zwei Jungs, die wohl schon um die 12 waren, die einfach auf der Straße saßen. Und sah, wie sogenannte Erwachsene vorbei gingen oder fuhren und beinahe sehnsüchtig zusahen. Ähnlich sehnsüchtig wohl wie ich, wenn ich - mitten im Trubel, im Alltag - einen Greifvogel sehe. Und er mich daran erinnert, dass ich meine Sehnsucht nach Natur, nach Wald, nach Feld stillen muss. Aber... ich weiche von meinen anfänglichen Gedanken ab. Mir begegnete vor ein paar Tagen ein Buch eines Stephen Cottrell, in dem es um Entschleunigung unseres Lebens und Alltags geht. Und auch bei Bill Hybels las ich Zeilen, in denen es darum geht, dass wir unseren Alltagsmotor herunterfahren müssen, um wieder zu uns zu kommen. Auch um diese Momente des inneren Verharrens wieder zulassen zu können. Und der gute alte Luther sagt: "Wenn ich besonders viel zu tun habe, dann nehme ich mir besonders viel Zeit zum Beten!"

1. Juli 2010

Traumkombi LEICA M9 und Summilux 50 asph.

Eine kurze Pause im Ausstellungsmarathon der Wanderausstellung »Altersbilder«. Eine Pause, die gut tun wird, damit betrachtet werden kann, was da schon alles war. Und es war viel. Viele gute und berührende Begegnungen vornehmlich, an die ich mehr als gerne zurückdenke. Zwei Menschen, die Portraitierte dieser Ausstellung sind, sind in dieser Zeit von uns gegangen. Lebensverhältnisse anderer haben sich gewandelt. Und immer mehr spüre ich, wie diese Menschen, die etwas mit mir oder auch mit uns geteilt haben, somit ein Teil von uns und auch von mir geworden sind. Sie sind mir vertraut und die Bilder, auf denen sie zu sehen sind, kann ich inzwischen auch sehen wenn ich nicht vor ihnen stehe. Weiter arbeite ich an einem Bildband-Projekt, über das ich nichts weiter berichten darf. Und an den Arbeiten zu einer großen und für mich außerordentlich wichtigen Ausstellung. Mehr dazu hoffentlich im Herbst diesen Jahres. Dazu eine »Kostprobe« mit meiner Traumkombination in Sachen Portraitfotografie: LEICA M9 und Summilux 1.4/50mm asph. (Foto: © jörg kassühlke)