26. April 2011

Analogien

Lässt sich das vergleichen: Schreiben und Fotografieren? Sicher bin ich nicht der erste, der darüber nachsinnt - vermutlich auch nicht der letzte. Und auch über die »Art« des Schreibens? Ist die Sprache besser geworden durch die neuen Hilfsmittel? Und schon Hermann Hesse wurde zu seiner Zeit äußerst kritisch beäugt, als er damit begann, auch mit einer Maschine zu schreiben. Wie ist das? Schreiben an einem Laptop oder an einem Desktop-Rechner. Darüber habe ich viel nachgedacht. Und schreibe inzwischen wieder auf Papier. Mit einem Bleistift oder Kugelschreiber. Und stelle fest, dass ich deutlich klarer formuliere und entschieden weniger Fehler mache als an meinem MacBook. Wenngleich ich sicher nicht auf das »Book« verzichten möchten, auf dessen Tastatur gerade diese Zeilen entstehen. Ein Menüpunkt meiner Internet-Präsenz lautet »lichtschreiber«. Da Photographie übersetzt einmal hieß: mit Licht schreiben oder zeichnen. Ist davon noch etwas übrig geblieben? Und hat sich die Fotografie verbessert, seit sie digital geworden ist? So viele Fragen. Und ich könnte mit dem Brecht-Zitat schließen, dass »... der Vorhang zu und alle Fragen offen...« Habe auch schon hier im Blog viel darüber nachgedacht und geschrieben, ob die nun wahrlich nicht mehr ganz neue Fotografie besser oder schlechter ist. Beides scheint mir unersetzlich. Und ich weiß inzwischen, dass mit der Rangefinder-Kamera, die ich bevorzuge, sehr wohl hervorragend mit Licht zu schreiben ist. Zumal die Entschleunigung - was für ein Wort - bei dieser Art der Fotografie einfach wohltuend wirkt. Das, was ich sehe und auf dem Bild haben möchte, tritt wieder in den Vordergrund. Und wenn dies auch beim Schreiben geschieht, so ist mir nahezu jedes Mittel recht. Und ich kann nicht anders als an den Beginn des Johannes-Evangeliums zu denken: »Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.«

16. April 2011

Leica M9 und 50mm Summilux asph.

Sicher ist mir bekannt, dass die besten Brennweiten für Portraitfotografie 75, 80, 90 oder gar 105 sind. Wenngleich gerade Cartier-Bresson sich den längeren Brennweiten verweigerte und sie gar mit dem Hörrohr für den Großvater verglich. Er bevorzugte wie ich die Normalbrennweite für das Portrait. Sicher auch, weil er eben mit dem »Hörrohr« nicht die Menschen verschrecken wollte, die er zu portraitieren hatte. Auch schien HCB wenig von Schärfe zu halten; denn mehr als nur einige seiner Portraits waren mit Bewegungsunschärfen versehen. Schärfe ist unwesentlich, so ein anderer großer Fotograf, der auch das 50er für seine Menschenbilder einsetzte, Paolo Roversi, dessen Sujets aber eher in der Modewelt zu finden waren. Wie auch immer. Auch ich bevorzuge das 50er für Portrait und liebe ganz besonders das Summilux 50mm asph., über das ich schon einmal an anderer Stelle hier im Blog berichtete. Und noch immer überzeugt mich die Kombination Leica M9 und besagtes Summilux 50mm asphärisch in jeder Hinsicht, wenn ich es für Portraits einsetze. Ich liebe es, wie diese zwei Komponenten miteinander harmonieren. Liebe es, wie der Vollformatsensor der Leica M9 auf die wunderbare Räumlichkeit und die offene Blende des Summilux reagiert. Zudem wirkt - wie oben beschrieben - diese Kombination zu keinem Zeitpunkt monströs auf den Menschen, der abgebildet wird, eher dezent, eher unauffällig. Passend zum ganzen M-System, das eben dezent und unauffällig wirkt. Und man zuweilen auf der Straße beinahe belächelt wird, mit welch kleiner oder old-stylish Kamera man unterwegs ist. (Foto: © jörg kassühlke)

12. April 2011

Hingeben

Wie gut es ist, dass wir das "Alte" hergeben dürfen, sogar besser noch: hingeben. Ablegen. Und neu beginnen. Das Alte einfach stehen lassen, es sich selbst überlassen. Umdrehen und weitergehen. Wie dankbar ich dafür bin. So lasse ich einfach stehen, kehre um und gehe in Richtung Licht. Dahin wo gerade das Licht durch die Wolken dringt und Strahlen bis zum Boden reichen. Und lasse den maroden Bau hinter mir. Er gehört nicht mehr zu mir. Ich darf abgeben und mache genau das voller Erleichterung. Sünde, Buße, Abgeben. Begriffe, die wie aus einer anderen Welt zu sein scheinen. So ist es. Aber wir können, ich kann sie hier in Anspruch nehmen. Kann abladen, bei Ihm und darf es wissen, dass es weggenommen ist. Wie eine Schuld auf der Bank, die jemand für mich bezahlt. Und ich es schlicht kaum glauben kann. Immer wieder den Auszug der Bank nehme, ihn ansehe und stelle fest: der Kontostand ist auf Null. Das kann doch nicht sein. Es ist alles bezahlt. Danke dafür. Aber - wer hat das getan? »Ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.« (Jer. 31,34)

7. April 2011

Die Nase an der Fensterscheibe

Manchmal würde man lieber - wie als Kind - draußen spielen. Und irgendwie erinnere ich Momente, in denen ich die Nase an der Fensterscheibe platt drückte, andere Kinder draußen spielen sah und selbst noch nicht so weit war. Aber zuweilen darf man auch drinnen bleiben, weil das, was einen am Stuhl hält, gut und erfüllend ist. Weil es spannend ist und Freude macht. Vielleicht sogar, weil es das ist, was man machen soll... Heute nun war so ein Vormittag. Traumwetter vor der Tür und Arbeit auf dem Tisch. Und sicher hätte die Arbeit auch verschoben werden können. Wie oft habe ich meine Hausaufgaben früher in die Abendstunden verschoben. In denen dann alles da war, nur keine Konzentration mehr. Jetzt aber ist die Arbeit vorerst getan. Und ich schnappe mir die Tasche mit der M, die Jacke über den Arm und nur noch raus.. Und da ich jetzt hier nicht mehr sitzen mag und auch der Beitrag für das Blog steht, speichere ich ab und verschwinde; nicht ohne allen Lesern einen sonnigen Tag zu wünschen!