23. Mai 2011

Vor dem Essen

Beten? Vor dem Essen? Ist das nicht von Vorgestern? Und warum sollte ich für etwas danken, für das ich selbst gesorgt habe? Einer der bekanntesten Journalisten Deutschlands und Chefredakteur von ”Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, bezeichnet das Beten vor dem Essen »als schönsten Moment des Tages«. Warum? Vielleicht weil uns die Dankbarkeit für wesentliche Dinge des Lebens verloren geht? Viele Fragen. Fragen, die ich für andere Menschen, auch für den von mir sehr geschätzten Chefredakteur nicht beantworten mag. Aber für mich schon. Beileibe bete ich nicht immer vor jedem Essen, das ich zu mir nehme. Zumindest nicht hörbar. Und manchmal bin ich traurig darüber, dass ich etwas wie selbstverständlich hinnehme, das nicht selbstverständlich ist. Denn sicher kann ich selbst nichts dafür, dass ich Essen auf dem Tisch stehen, ein Dach über dem Kopf habe und auf meiner Fahrt nach Hause bewahrt worden bin. Ich bin dankbar, dass es so ist. Und ich nehme es gerne aus der Hand dessen, der Himmel und Erde gemacht hat. Denn auch Jesus, der Sohn Gottes, betete vor dem Brechen des Brotes. Danke Herr, dass ich jeden Tag von Dir versorgt werde..

14. Mai 2011

Im Flug

Der Frühling ist schon bald verflogen. In kaum mehr als einem Monat haben wir Sommeranfang. Und auch wenn der Pollenflug dem einen oder anderen zugesetzt haben mag, so ist die für mich schönste Zeit des Jahres beinahe vorbei. Wenn die Natur zu explodieren scheint, wenn das Grau des Winters dem Grün und und Blau des Frühlings weichen darf. Auf der Straße unterwegs, auf dem Beifahrersitz schnell die M aus der Tasche gezogen und durch die Scheibe ein Eindruck von dem, was ich meine und liebe. In der alten Heimat unterwegs. Und auch wenn mir immer prophezeit worden ist, dass ich eines Tages sentimentale Gefühle bekommen würde, wenn ich die Landschaften meiner Kindheit durchziehen würde, so geht es mir nur bedingt so. Im ”Norden“ meiner Kindheit war mir oft zu viel kultiviertes Land, zu wenig Wiese und Koppel. Das war es oft, was ich an dem Bundesland liebte, dem ich schon so lang die Treue halte: Hessen. Hügel, grüne Wiese oder Koppel, darüber scharf angeschnitten blauer Himmel und schneeweiße Wolken. Ich liebe es. Entstanden mit Leica M9 und 2/35 asph.

4. Mai 2011

Lichtvoll

Selbst im April kann man sich jetzt wieder an einem Licht erfreuen, das wir beinahe einen ganzen Winter lang schmerzlich vermisst haben. Das Licht ist die größte aller Künstlerinnen. Man muss ihr nur folgen, auf sie warten; sie taucht die unscheinbarsten Orte in ein Meer von Farbe, Schatten und .... Licht. Wie liebe ich diese Momente, in denen man inne hält und nur noch staunt, wie sie scheinbare Banalitäten zu Bühnen verwandelt. Und gerade dann muss das Werkzeug, mit dem man mit Licht schreibt, behutsam sein. Und ich wünschte manchmal, dass die Kamera noch langsamer auslösen würde. Da mag ich besonders das Geräusch einer M6. Wie der Tuchschlitzverschluss zu hören ist. Und mir das Gefühl gibt, als würde sich ein Vorhang für Millisekunden öffnen und wieder schließen. Und das Schauspiel ist vorüber. Und ich darf weiterziehen. Es ist vorbei. Und ich bin wieder auf der Suche nach einer neuen Bühne. Eine Bühne, die mir das Licht erschließt.