30. Juni 2011

Ausdehnung des Raumes

Zu selten sitze ich auf dem Beifahrersitz. Aber kaum dass es einmal so ist, dann habe ich schon die Kamera auf den Knien. Und drücke mir die Nase an der Scheibe platt; denn ich liebe es, wenn einmal die Welt so an mir vorbei fliegt. Und wie oft habe ich Bilder aus dem fahrenden Wagen gemacht. Früher gab es noch Kompaktkameras, als ich solche noch mochte, mit Sucher. Und davon lag lange eine kleine schlanke schwarze Schöne immer in der Konsole meines Wagens. Meist schon im Anschlag, sodass ich sie nur hochziehen musste und abdrücken. Meist auch ohne Blick durch den Sucher. Schon als Kind liebte ich es, wenn die Welt wie im Fluge an mir vorüberzog. Und man nur einen kurzen Moment hatte, um die räumliche Ausdehnung zu sehen - und schon war der Blick wieder verdeckt durch eine Baumgruppe, einem Waldstück oder einem Gebäude. Und dann wieder alles frei, den Kopf ganz gerade und parallel zur Scheibe und die Weite auf sich wirken lassen. Die Ausdehnung des Raumes. Und auch hier war ich auf dem Beifahrersitz unterwegs. Plötzlich schien der weißblaue Himmel viel plastischer denn je zu sein. Schnell riss ich die M hoch und machte das Bild. Wie gerne würde ich solche Momente einfrieren und festhalten, dachte ich als Kind. Heute kann ich das.. und denke, dass dies die eigentlich Stärke der Fotografie ist, die sie noch hält gegenüber allen anderen Medien, die über uns hinweg rollen. Dieser eine Moment, der nie wiederkehrt.

23. Juni 2011

Klarsicht

Muss es erst richtig knallen, muss das Unwetter jede Sicht vernebeln, muss es schütten und blitzen, bis man wieder klare Sicht bekommt? Vielleicht muss es zuweilen so sein. An diesem verrückten Tag ist erst am späten Abend wieder klare Sicht. Und auch der Volksmund spricht davon, dass ein Gewitter die Luft reinigt. Manchmal könnte ich darauf verzichten. Auf diese Täler und Tunnel, durch die man fahren muss, um wieder im Licht stehen zu dürfen. Wie oft erkenne ich erst im Nachhinein, dass die wirklich guten Dinge im Leben durch Schmerzen geboren werden. Und durch die Täler ich erst wirklich dankbar werde für jene Momente, in denen die Luft wieder rein und klar wird. »Doch nicht nur darüber freuen wir uns; wir freuen uns auch über die Nöte, die wir jetzt durchmachen. Denn wir wissen, dass Not uns lehrt durchzuhalten, und wer gelernt hat durchzuhalten, ist bewährt, und bewährt zu sein festigt die Hoffnung.« (Römer 5, 3-4)

15. Juni 2011

Lehre uns bedenken...

»Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. « (Psalm 90,12)
Macht es eigentlich Sinn, darüber nachzudenken, dass ich eines Tages sterben muss? Oder denke ich: okay, klar sterbe ich eines Tages. Aber darüber nachdenken? Kann ich es ändern? Ändere ich etwas dadurch, dass ich es »bedenke«? Und: macht es mich etwa klüger, wenn ich es bedenke? Was soll es also ändern? Als ich ein junger Mann war dachte ich mehr über das Sterben, vielmehr: über den Tod nach als jetzt, da ich ihm, dem Tod, doch deutlich näher stehe. Vielleicht denke ich jetzt häufiger über Gebrechlichkeit nach. Darüber, dass mein Vater einmal darüber predigte, dass das Haus, welches meinen Körper darstellt, ganz langsam abgebaut wird. Dass - meine Gedanken - die Scheiben allmählich einfallen, der Dachstuhl zu wünschen übrig lässt. Und zwar Reparaturarbeiten wieder das Haus etwas sanieren, aber doch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass das Haus eines Tages einfallen wird. Und es auch Zeitgenossen gibt, die das nicht wahrhaben wollen. Und - auch ein Gedanke aus der Predigt meines Vaters von vor Jahrzehnten - es wie beim Jahrmarkt, beim Rummel oder bei der Kerb so ist: es blinkt, es blitzt, es ist hell erleuchtet und zieht die Blicke an. Aber es ist Fassade. Dahinter, hinter der Fassade wird das Gebäude schon abgebaut. Nein, ich will hier niemandem Furcht einflössen. Und ich fürchte mich auch nicht. Vielleicht vor Siechtum, das ich aber ohnehin nicht verhindern kann. Aber vor dem Tod fürchte ich mich nicht. Gott sei Dank dafür. »Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel«, heißt es in 2. Korinther, 5,1. Aber was kann ich oder muss ich tun? Was tat der Verbrecher, der neben Christus am Kreuz hing? Und dem Jesus versprach, dass er »heute noch mit ihm im Paradies« sein würde? Er glaubte.

11. Juni 2011

Geist der Wahrheit

O komm,
du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
daß jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.
Philipp Spitta, 1833
Allen Lesern des Blogs,
Freunden, Verwandten,
Bekannten wünsche ich
gesegnete Pfingsten..

7. Juni 2011

Wie die Kinder

Für mich sind Kinder das Wunderbarste, was es gibt. Möchte mir eine Welt ohne Kinder nicht vorstellen. Und wir können von ihnen lernen. Im Rahmen meines Projektes »Altersbilder« erfuhr ich, was wir von älteren oder alten Menschen lernen können. Werde nicht vergessen, wie ich die Tochter einer Frau über 100 fotografieren wollte und dabei gleich neben der Mutter in die Knie ging, um eine gute Perspektive zu bekommen. Diese alte Frau strahlte eine unglaubliche Ruhe aus, die nahezu greifbar war. Sie schien unbeeindruckt. Unbeeindruckt auch von den Stürmen dieser Welt, von denen sie vermutlich noch ganz andere gesehen hatte als ich. Aber was können wir von Kindern lernen? Vielleicht die Unbekümmertheit? Vielleicht die Freude? Vielleicht das Vertrauen, den kindlichen Glauben? Wir können von Kindern vieles lernen, daran glaube ich. Und ich glaube an den Mann aus Nazareth, der vor mehr als 2000 Jahren sagte: »Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen.« (Matthäus 18,3, NGÜ)