21. Juli 2011

Ruhe finden

Gerade befinde ich mich ganz in der Nähe des Geburtsortes von Hermann Hesse. Es gibt eine Stelle in Hermann Hesse's »Steppenwolf«, in der ich mich damals ertappt fühlte. Er sitzt, wenn ich recht erinnere, im Treppenhaus und schaut in eine Wohnung, in der - für ihn - biedere Geselligkeit herrscht in einem - für ihn - biederen Ambiente. Er ist angewidert und gleichsam ist da eine Sehnsucht. Es ging mir nicht anders - in so vielen Situationen meines Lebens. In denen ich geradezu hochmütig herabgesehen habe auf jene, die in ihren Wohnstuben saßen und das allabendliche Idyll »Abendbrot, Fernsehen und zu-Bett gehen« lebten. Und ich nur zufrieden war in meinem Getriebensein. In meinem scheinbaren Anders-sein-wollen. Gerade habe ich ein paar Tage jene »Heile-Welt-Gefühle« im Nordschwarzwald. Und vielleicht noch vor zehn Jahren hätte ich das nicht gekonnt. Und nun genieße ich es. Fühle mich wohl, kann mich ent-spannen, kann einfach nur mit einem Buch in der »Stube« sitzen. Werde ich alt? Vielleicht. Vielleicht aber ist auch einfach nur Frieden geschlossen worden in mir. Und ich muss mich nicht aufschwingen, sondern kann einfach bestehen lassen. Vielleicht ist aber auch einfach nur Friede eingekehrt, weil in mir etwas verändert und verwandelt worden ist? Vielleicht. Jesus sagt in Johnannes 14,27: »Was ich euch zurücklasse, ist Frieden: Ich gebe euch meinen Frieden – einen Frieden, wie ihn die Welt nicht geben kann.«