19. Oktober 2011

Oberleitung

Besonders in dieser Zeit, in der es mit großen Schritten auf den November zugeht, braucht der Mensch Licht. Und wie sollte es in diesem Blog nicht auch um jenes Licht gehen, in dem die stehen und sich bewegen dürfen, die Ihm nach-folgen. Ihm, dem Mann aus Nazareth. Der Weg, auch Dein Weg, der Wahrheit, auch Deine Wahrheit, der Leben, auch Dein Leben sein will. Aber was ist es denn eigentlich, das dieses Nachfolgen ausmacht und was muss ich tun, um nicht mehr in der Finsternis zu gehen? Wie finde ich diese Leitung zum Herrn des Himmels und der Erde? Was muss ich tun? Welche Prüfungen muss ich bestehen, welche Opfer muss ich bringen, was muss ich erklimmen, um da oben Anteil am Licht zu haben?
Ich muss nicht nach »da oben« kommen. Er, der Sohn Gottes, kam herab. Und ist hier. In denen, bei denen, die sich Ihm anvertrauen, mit allem, was sie haben. Noch einmal: was muss ich tun? Seinen Namen aussprechen
und glauben. Jesus. Nur dieses eine Wort, diesen einen heiligen Namen. Wir müssen keine Leiter erklimmen und auf jeder Sprosse, die wir erreichen eine weitere Prüfung bestehen, um im Licht sein zu können. Wir müssen nicht nach oben. Wir dürfen glauben. Und dann im Licht sein. Und nicht mehr in der Finsternis. Wir dürfen dann sogar selbst Licht sein. Noch immer kann ich dieses Geschenk kaum begreifen. Ist es wirklich so? Muss ich wirklich nicht mehr tun als »nur« glauben und Ihm folgen? Auch daran will ich glauben.
»Früher gehörtet ihr selbst zur Finsternis, doch jetzt gehört ihr zum Licht, weil ihr mit dem Herrn verbunden seid.« (Eph. 5,8, NGÜ)

7. Oktober 2011

Suche nach dem Selbst

Künstler sind Individualisten; sie müssen es geradezu sein. Und nicht nur bei dieser besonderen Gattung Mensch bedeutet dies zunächst und vor allem die Suche nach dem eigenen Ich. Wer bin ich eigentlich? Wo komme ich her? Wo stehe ich? Wohin gehe ich? Hermann Hesse schrieb einmal, dass er 50 Jahre werden musste, um die ersten Wochen erleben zu können, in denen er nicht an Freitod dachte. Ist das die Kehrseite eben jenes Individualismus? Und lässt sich das nicht auch auf einen weiteren Nenner bringen - die Suche nach dem Sinn? Ist diese Frage nicht uns allen gegeben – und gehört es nicht bei jungen Menschen zur Findung nahezu unvermeidlich dazu? Nichts gehört – neben der Freiheit – zu meinem Leben so untrennbar dazu wie eben jene Suche nach dem Selbst. Sie war schmerzlich. Und ich musste mich selbst verlieren, um mich zu finden; und das ist für den Individualisten der schwerste Schritt. Und da wir immer mehr eine Gesellschaft von Individualisten werden und vermutlich schon fast sind, ist diese Frage nicht mehr nur eine des Künstlers, wie mir scheint. Mich selbst konnte ich nicht finden. Und ich musste mich verlieren. Wir gehen den letzten Schritt zum eigentlichen Selbst, wenn wir Gott gefunden haben. Wenn ich abnehmen muss, damit Gott zunehmen kann. Das erschreckte mich; denn wenn ein Individualist sich aufgeben soll, dann wehrt sich der ganze Mensch. Aber niemals werde ich das Glück vergessen, endlich erfüllt zu sein und anzukommen. Was beileibe nicht Stillstand bedeutet, sondern genau das Gegenteil. Es ist Bewegung, Vorangehen, Weiterkommen und Wachsen. Und es ist nicht mein Tun, auf das ich stolz sein könnte. Wir werden verwandelt und zu dem Bild, dem Ebenbild, das eigentlich gedacht war. »Einst, als ich noch ein Kind war, da redete ich wie ein Kind, ich fühlte und dachte wie ein Kind. Als ich dann aber erwachsen war, habe ich die kindlichen Vorstellungen abgelegt. Jetzt sehen wir nur ein unklares Bild wie in einem trüben Spiegel; dann aber schauen wir Gott von Angesicht. Jetzt kennen wir Gott nur unvollkommen; dann aber werden wir Gott völlig kennen, so wie er uns jetzt schon kennt.« 1. Korinther 13, 11-12, Gute Nachricht