29. November 2011

Stolpern?

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Ende des Jahres. Ist es ein Zeichen des Älterwerdens, dass man den Eindruck bekommt: die Zeit fliegt dahin? Geht es nur mir in diesem Jahr so, dass es wie in wenigen Wochen verflogen scheint? Oder ist es immer dann so, wenn viele Dinge geschehen, viele Entscheidungen getroffen, viele Wege sich geöffnet und andere sich verschlossen haben? Wie kann ich wissen oder sicher sein, dass der gewählte Weg ein guter ist? Kann ich mit Taktik, mit tiefen Überlegungen, Recherchen und Mühen sichern, dass ich auf einem verlässlichen Weg voran komme?
Wie viele Menschen suchen Rat in dieser Frage. Befragen Menschen, welche die Zukunft zu kennen meinen. Von immer mehr Menschen lese und höre ich, dass sie Rat bei Verstorbenen suchen, zu denen Mittler den Kontakt aufnehmen. Immer mehr suchen Sinn, Rat und Hilfe im immer größer werdenden Meer der Esoterik. Immer häufiger verstricken sich Menschen in einem Dickicht, der nur immer undurchsichtiger erscheint und mehr Fragen als Antworten gibt.

In diesem Jahr blicke ich zurück und sehe vor allem eines: Licht. Licht, das mir den Weg gewiesen hat. Licht, das Licht in mein Herz brachte und noch immer bringt. Licht, das auf Wegen zu finden war, um mir zu leuchten. Licht, das mich immer weiter weg führte von der Finsternis. Licht, das mir die Gewissheit gab und gibt: »Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat. Er bewahrt deine Füße vor dem Stolpern; er, dein Beschützer, schläft niemals. Ja, der Beschützer Israels schläft und schlummert nicht! Der Herr behütet dich, der Herr spendet dir Schatten und steht dir bei, damit dich am Tag die Sonne nicht sticht und in der Nacht der Mond dir nicht schadet. Der Herr wird dich behüten vor jedem Unheil, er bewahrt dein Leben. Der Herr behütet dich, wenn du gehst und wenn du kommst – jetzt und für alle Zeit.« (Psalm 121, Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen, Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft)

6. November 2011

Kontemplativ

Meine erste Begegnung mit Leica ist lange her. Wie lange wollte ich eine schwarze kompakte und lichtstarke Kamera haben, die immer dabei sein sollte. Nicht mehr nur der Lowe-Sack auf dem Rücken, sondern Beschränkung auf das Wesentliche. Möglichst eine M und ein 50mm. Das wäre es gewesen. Aber für mich damals nicht erschwinglich. Für Aufträge und mehr war ich sehr früh schon in der digitalen Fotografie gelandet; genau genommen 2002, als ich mir die Nikon D100 bestellte ohne sie überhaupt in den Händen gehalten zu haben. Eine Leica hatte ich immer im Hinterkopf, aber nie konnte ich diesen Traum umsetzen. Für meine Aufträge konnte ich deshalb nicht analog arbeiten, da es für mich zu teuer geworden wäre. Und für die Aufträge, die ich übernahm, war dieser Weg zu langsam, zu teuer und auch nicht nötig, da die meisten Bilder ohnehin im World Wide Web landeten.

So wurde es zunächst eine Minilux. Diese kleine Schönheit hatte ich mir gebraucht erstanden, und sie lag immer in der Mittelkonsole, wenn ich unterwegs war. Damals war ich in Hamburg unterwegs und sah ein interessantes Motiv direkt über einer Brücke. So zog ich die Kleine hervor und machte mein Bild aus dem fahrenden Wagen heraus. Viele Jahre begleitete mich dieses Bild und war für mich Ausdruck einer Fotografie, die ich immer suchte und noch immer suche. Noch in meinem Atelier in Gelnhausen stand das Bild lange über meinem Arbeitsplatz; vielleicht erinnert sich noch der eine oder die andere….

Eines Tages dann erbte ich eine M6. Diese schwarze Schöne hingegen veränderte mein fotografisches Sein. Sie nahm ich in die Hand und mir war, als hätte sie schon Jahrzehnte dort verbracht. Ausgestattet mit einem 50er Summicron fand ich eine Kombination, die für mich wie eine Offenbarung erschien. Niemals werde ich Astrid und Peter vergessen, was sie damals für mich getan haben. Es ist nicht nur irgendeine »Traumkamera« gewesen, sondern hat meine Sicht auf die Welt verändert. Diese Art des kontemplativen Fotografierens, wie ich es einfach nennen möchte, ist nicht nur wichtig gewesen für meine Fotografie. Tatsächlich das, was ich im Sucher sehe, letztlich auf dem Papier zu haben. Das Geräusch des Tuchschlitzverschlusses. Für einen Moment die Welt durch eine Kamera hindurch zu sehen. Die Kompaktheit und die Schönheit dieser Kamera. Das Alles hatte und hat etwas nahezu magisches für mich noch heute.

Gestern wurde ich erinnert an diese erste Zeit. Nur mit M9 und 50 mm unterwegs. Wieder jenes besondere Licht. Eine Taubenschar, die über dem Luisenplatz in Darmstadt kreist. Jener Blick nach oben. Kaum Zeit für Blende, Zeit und Schnittbild. Ausgelöst. Es geht noch immer. Jenes Gefühl des Einsseins für einen Augenblick. Einssein mit dem Motiv, der Kamera, der Brennweite. Und mir scheint, dass dies für mich nur mit jenem Instrument geht.