23. Dezember 2012

Dieses Jahr fliegt dahin, aber es geht mir nicht zum ersten Male so. Liegt es am Alter? Rennt die Zeit dahin, weil ich älter werde? Oder ist es ein Phänomen der Zeit in der wir leben, die gemeinhin als schnelllebig bezeichnet wird?
Wie auch immer: die Adventszeit ist fast vorbei, die vierte Kerze brennt schon, der Baum ist geschmückt, der Heilige Abend folgt dicht gedrängt. Und danach sehen wir schon sehr bald dem Ende des Jahres entgegen.
Aber was bleibt vom Advent, der sprachlich aus dem Lateinischen kommt und Ankunft bedeutet?
Bei mir persönlich bleibt seit vielen Jahren das, was für mich das Weihnachtsoratorium von J.S. Bach zum vollkommenen Gottesdienst im Advent werden lässt: 

Fallt mit Danken, fallt mit Loben
Vor des Höchsten Gnadenthron!
Gottes Sohn
Will der Erden
Heiland und Erlöser werden..

Und so will ich es im neuen Jahr mit Charles Dickens halten, dem englischen Autoren des »Oliver Twist«, der schreibt: »Ich werde Weihnachten in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr hindurch aufzuheben.«
Und der selbe Charles Dickens schreibt auch: »Das Neue Testament ist das beste Buch, das die Welt je kannte oder kennen wird.« Und eben jenes lasse ich mir zum Fest schenken. Auch wenn ich schon zig Ausgaben habe, so ist dieses Neue Testament mit Psalmen eine letzte kleine Lederausgabe, die schon lange nicht mehr lieferbar ist. Wir haben sie antiquarisch erstanden und ich freue mich schon sehr darauf, sie im Sakko immer bei mir zu tragen. 
Allen Lesern und Besuchern meines Blogs wünsche ich gesegnete Weihnachten und einen guten Gang in ein neues spannendes Jahr!
Ihr/euer
jörg kassühlke


12. November 2012

Rätselhafte Bilder

Wir denken, dass wir die Wirklichkeit kennen. Da sie ja so klar abgebildet wird scheint eine Täuschung nahezu ausgeschlossen. 
Immer wieder denke ich daran, dass wir nur einen Bruchteil sehen können - und selbst dieser Bruchteil ist wie ein verwirrendes und rätselhaftes Bild. 
Uns wird in der Bibel gesagt, dass das Sichtbare vergänglich ist, aber das Unsichtbare ewig (2. Kor. 4,18). 
Das Unsichtbare ist unendlich, sicher auch unendlich weit und groß. Es gibt Momente in unserem Leben, in denen wir das erahnen können. Auch weil viele Menschen das Gefühl haben, dass es noch "etwas geben muss, das größer ist". Weil viele Menschen das Gefühl kennen, dass wir hier nicht ganz daheim sind - und es vielleicht ein Zuhause gibt, dass wir nicht kennen, aber uns dennoch danach sehnen. 
Liebe ist eines jener Phänomene, das uns erahnen lässt, dass es da noch mehr geben muss. Dass wir Menschen haben hergeben müssen und ahnen, dass sie noch leben, weil wir ihre Liebe noch spüren und erfahren. Wirkliche Liebe ist unendlich, ewig. Daran glaube ich. 
Und deshalb gibt es für mich auch kaum ein wichtigeres Dokument als das Hohelied der Liebe, das wir im 1. Brief des Apostel Paulus an die Korinther finden: Hohelied der Liebe
Einer der Verse, den ich besonders schätze und an den ich wieder einmal denken musste, lautet: »Jetzt sehen wir alles nur wie in einem Spiegel und wie in rätselhaften Bildern; dann aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen;«

12. Oktober 2012

Klar sehen

Viele Jahre meines Lebens ging ich so oder so ähnlich durch die Welt. Ich konnte nicht klar sehen und hatte keinen echten Durchblick. Ja, ich kam wohl voran; aber oft konnte ich erst am Ende eines Weges sehen wohin er mich geführt hatte. Es war nicht immer, vielmehr: nicht auf allen Wegen so. Es war aber nahezu immer so, wenn es um Wege ging, die mein Leben, meine Existenz betrafen. Auf Wegen, die mich ganz persönlich etwas angingen; die mit Partnerschaft, Ehe, die mit Beruf und Berufung, die mit Leben und Tod zu tun hatten sah ich nicht klar und konnte kaum weiter als ein paar Meter sehen. Ich kam irgendwo an, am Ende eines bestimmten Weges und wurde immer wieder ent-täuscht. Gar nicht zwingend von Menschen oder Umständen. Oftmals einfach nur, weil nicht gut war, was dabei heraus kam. Es ging keineswegs um Perfektion, um Erfolg oder hohem Anspruch und dessen Entsprechung. Zumeist war es einfach nicht gut. Es war zum Beispiel menschlich nicht gut, was am Ende heraus kam. Es waren Enttäuschungen, Verletzungen im Spiel. Es kam am Ende allzu oft etwas dabei heraus, das ich so nicht wollte. Es kam dabei heraus, dass ich nicht so lebte, mich nicht so verhalten hatte, wie ich es mir von mir selbst gewünscht hätte. 
Es war nicht möglich vorherzusagen, dass am Ende eines Weges es »einfach nur gut« sein würde, was dabei heraus kommen könnte. 
Vielleicht ist es ein Problem, das grundsätzlich alle Wesen auf diesem Planeten haben? Wir suchen noch immer Propheten und wundern uns, dass sie uns nicht wirklich helfen können. Wo führt uns der Weg hin? Wie wird die Zukunft werden? Welchen Weg sollte ich einschlagen? Und vor allem Vorhersagen von etwaigen Ergebnissen und wirtschaftlichen Entwicklungen suchen viele Menschen - und gehen irre oder fehl. Gehen Experten auf den Leim, die es auch nicht wissen können. 
Das brauche ich auch gar nicht. Aber es war mein großer Wunsch, dass ich in den oben beschriebenen existenziellen Fragen meines Lebens auf Wegen gehen darf, die »gut« sind. 
Inzwischen brauche ich die Wege nicht mehr zu suchen. Es ist »nur noch« ein einziger Weg. Ein Weg, von dem ich weiß, dass er einfach nur gut ist. 
Er, der Weg, ist nicht gut, weil ich ihn gewählt habe. Er ist nicht gut, weil ich ihn gefunden habe. Er ist nicht gut, weil er die erste Wahl ist oder einfach nur ausgeklügelt. Er ist gut, weil dieser Weg Jesus Christus ist. Er sagt: »Ich bin der Weg« (Johannes 14,6) 

30. September 2012

Bin ich nur eine/r von vielen? Soll ich schreiben: nein? Ich bin einer von sehr sehr vielen, ganz sicher. Und vielleicht ist das für die eine oder den anderen nicht einfach. Wir würden gerne nicht nur einmalig sein, sondern als etwas besonderes gesehen werden. Aber bin ich denn »besonders«? Und für wen? Was muss ich tun, um besonders zu sein oder zu werden? Was kann ich alles dafür tun? Ist da etwa das Ziel des Lebens verborgen? Es zu schaffen, dass ich besonders werde und bin? Um aufzufallen zwischen all den anderen Milliarden? Damit ich es wert werde, dass man mich beachtet? Damit ich endlich Beachtung finde? Dass ich dahin komme, wie mein eigenes Denkmal zwischen all den anderen zu wirken? Ist das der Weg? Ist das das Ziel? 
Was ist, wenn das alles gar nicht nötig sein sollte? Wenn ich ohnehin geliebt bin - ohne all das? Wenn ich als einmalig und besonders angesehen werde? Und genau deshalb geliebt und angenommen bin? Was ist, wenn ich längst bedingungslos geliebt bin? Das heißt angenommen bin - wie ich bin. Ohne Wenn und Aber? Was ist, wenn das kein Scherz, sondern Wirklichkeit ist? Wenn ich angenommen, geliebt und besonders war, bevor ich überhaupt war? »Der tiefste Grund für unsere Zuversicht liegt in Gottes Liebe zu uns: Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.« (1. Johannes 4,19, NGÜ)



30. August 2012

Das hatten wir zwar schon einmal - aber jetzt aus gegebenem Anlass erneut; denn das »K« wird sich bald drehen...

10. August 2012

Es gibt Symbole, die nur für zwei Menschen bestimmt sind, vielmehr: deren Gehalt, deren Verknüpfung mit einem inneren Erleben nur diese zwei Menschen wirklich verstehen können. In einer Partnerschaft gibt es schon zu Beginn Bilder, Worte, Musikstücke und mehr, die nur diesen zwei Menschen einen verstehenden inneren Gleichklang geben können. Auch Orte können dazu gehören. Oder eben Bilder. Es ist nicht dieses Bild, sondern vielmehr jener Moment, der uns gemeinsam verbindet. 
Wir gingen um den See. Und wir waren einander noch immer fremd. Obwohl so viele Worte gesagt worden waren, obwohl schon so viel Verständnis da war, obwohl der Dialog schon so weit fortgeschritten war, dass wir dieses Treffen wagten, waren wir einander noch fremd. 
Auf dem Steg wurden wir umschmeichelt von der Schönheit des Ortes. Du zogst die Schuhe aus und kamst mit den Füßen kaum ins Wasser. Und es war ein Augenblick, der uns vertrauter werden ließ. 
Wir gingen weiter. An den Fischteichen entlang. Du gingst fast immer vor mir. Es fiel mir Deine Art zu gehen auf. Ich liebe Deinen Gang. Auf dem Weg um den See mussten wir uns ihm immer wieder nähern. Jeden Zugang nahmen wir wahr. Vielleicht um ihm näher zu sein, vielleicht um uns näher zu sein? Am Ende des Gangs mussten wir wieder verweilen; konnten nicht aufbrechen. Nie vergessen werde ich den Blick auf Deinen rechten Daumen. 
Es macht mich froh, dass wir einander immer näher kommen durften. Es macht mich glücklich, dass wir weiter gegangen sind. Zusammen. Bin stolz, dass wir den gemeinsamen Weg jetzt ganz gehen. 
Ich liebe Dich. 


2. Juli 2012

Auf der Suche nach Gott

Wenn ich auf der Suche nach Gott bin, wie sollte ich mich ihm nähern? Auf Knien? Sollte ich die Position einnehmen, die oft geistlichen Würdenträgern und auch Königen gegenüber eingenommen werden musste: flach auf dem Boden liegend, mit dem Gesicht zum Erdboden? 
Und bevor ich diese Position einnehmen darf - und tatsächlich in seiner Gegenwart mich aufhalten darf - wie habe ich mich darauf vorzubereiten? Welche Reinigungen habe ich vorzunehmen, auch innerliche Reinigungen? Ist eine wirksame Reinigung überhaupt möglich? Wenn ich das alles getan habe, bin ich dann würdig, ihm, dem Herrn der Welten, gegenüber zu treten?
Wird da nicht klar, dass ich tun kann, was ich will - es wird nicht reichen? Ist nicht jeglicher Versuch schon kläglich gescheitert, bevor ich meinen Gedanken abgeschlossen habe? 
Was aber - wenn es ganz anders ist? Wenn dieser Gott nur auf Dich wartet? Was ist, wenn dieser Gott liebe-voll auf Dich wartet? Wenn er es kaum erwarten kann, dass Du zu ihm kommst. Wenn es nur warmes Licht ist, das durch den Türspalt dringt - aus dem Raum heraus, in dem er, der liebende Herr, auf Dich wartet? Schon Dein Leben lang auf Dich wartet? 
Was ist, wenn es keine Rolle spielt, wie Du aussiehst? Wer Du bist, was Du angestellt hast? Wenn es keine Rolle spielt, welchen Namen Du trägst? Was ist, wenn in diesem Raum nur ausgebreitete Arme zu finden sind, die auf Dich warten? Wenn Du nichts erklären musst? Sondern einfach nur in diese Arme sinken darfst? Und glauben darfst, dass Du so geliebt bist - wie Du es nie gekannt hast? Niemals ahnen konntest, dass es eine solche Liebe überhaupt gibt? Eine solche Liebe, die Dich ohne Bedingungen annimmt? Wenn es reicht, dass Du seinen heiligen Namen nennst und glaubst? Um nicht verloren zu gehen, nicht mehr umherirren zu müssen? 

Was ist, wenn das die Wahrheit ist? Was ist, wenn Du das erleben darfst? Und Deine Suche endlich ein Ende hat? Was ist dann? 
Jesus sagt in Johannes 6,37 »Alles, was mir mein Vater gibt, das kommt zu mir; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.«

12. Juni 2012

Gemälde

Bisweilen wird einem unerwartet ein  Gemälde präsentiert, das einem nahezu den Atem rauben kann. Es waren nur wenige Sekunden, die blieben, um das Boot noch mit auf das Bild zu bekommen. So schnell konnte ich die Kamera kaum aus der Tasche holen, um die Szene genau so festhalten zu können. Aber auch wenn das Bild nahezu genau wiedergibt, was ich sah, so ist dieser eine Moment in der Wirklichkeit ein besonderer Moment des Erlebens gewesen, das kein Medium einfangen kann. Kein Film, kein Gemälde, kein Foto. Dieser friedliche Augenblick, diese Weite, dieser nie mehr wiederkehrende Moment bleibt sicher noch lange in mir präsent. 
Aber sicher scheint mir auch, dass dieses Medium, dessen ich mich hier bediene, das dafür geeignetste ist. Einen Augenblick, einen kleinen Moment in der Zeitengeschichte bildhaft festzuhalten - da gibt es nichts vergleichbares. Und es ist das, was ich an dieser kleinen schwarzen Maschine so liebe. Und mich noch immer fasziniert. Ich setze mein Auge am Sucher an, wähle Zeit und Blende und löse aus. Endgültig, nicht wiederholbar. Und meist halte ich es auch mit dem Meister aller Klassen, welcher der Überzeugung war, dass eine einzige Einstellung reichen sollte. Habe ich es erfasst, habe ich den Moment eingefangen, dann nicht erneut anpeilen, sondern weiter ziehen. Und ich erinnere mich gerade an diese Szenerie. Rieche den Duft des Grases, spüre den harten Boden des Aufstiegs zur kleinen Erhebung, spüre den sanften warmen Wind, der um uns streifte. Es bleibt nur noch, dass man umittelbar diesen Augenblick erlebte. Das Ummittelbare des Erfassens und Festhaltens dieses Momentes möchte ich aber auch niemals missen. 

28. Mai 2012

Das Zelt



Oft, zu oft wird den Christen vorgeworfen, dass sie sich selbst auf ein Jenseits vertrösten oder vertrösten lassen. Und ich denke dann oft an Heinrich Böll und auch Dietrich Bonhoeffer. Der eine, der auf die Frage, warum er an Gott glaube, dem Sinn nach antwortete: weil wir uns hier nicht ganz zu Hause fühlen. Als ich dies vor vielen Jahren las, sah ich für mich sofort, wie viel Wahrheit in diesen Worten des deutschen Literatur-Nobelpreisträgers steckt. Und wie oft dieses Empfinden auch mit der Sinnfrage einher geht, die sich nach meiner Überzeugung jedem Menschen einmal in seinem Leben stellt. Wie oft habe ich mir in früheren Zeiten diese Frage gestellt. Schon als junger Mensch beschäftigte ich mich mit ihr; verbunden mit der Frage nach dem Tod. Was soll das alles? Ist es nicht auch ungerecht, dass wir uns als Persönlichkeiten ein ganzes Leben lang bilden, um dann ins Nichts zu gehen?
Wie viele Menschen sind mir in meinem Leben schon begegnet, die zwar nicht an einen Christus glauben können oder wollen, aber daran dass nach dem Tode »nicht alles aus« sein kann. Dass hinter all dem ein Licht leuchtet, ein ewiges Licht brennt, von dem viele nur ahnen können, was es damit auf sich hat. Andere hingegen mit einer Sicherheit davon sprechen, dass es einem den Atem verschlägt.
Und dies sogar im Angesicht des bevorstehenden Todes: Dietrich Bonhoeffer, als er im KZ Flossenbürg an den Galgen geführt wurde, sagte: „Dies ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens."
Und auch wenn Tod und Sterben aus unserem Alltag verschwunden und geradezu herausdividiert worden sind, so gehören sie zum Leben dazu. Und wir wissen das alle, selbst Kinder wissen davon. Und auch wenn die guten alten Zeiten oft alles andere als gut waren, so ist das Sterben und der Tod in der Familie der früheren Zeiten besser aufgehoben gewesen. Viel von seinem Schrecken wird ihm zu früheren Zeiten schon da genommen worden sein.
Aber als ich dieses Motiv in der Stadt sah, an einem warmen Vormittag, da musste ich vor allem an ein Wort aus dem 2. Korintherbrief denken: »Denn wir wissen: wenn unser irdisches Haus, diese Hütte, abgebrochen wird, so haben wir einen Bau, von Gott erbaut, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist im Himmel.« (2. Korintherbrief 5,1)

24. Mai 2012

Im falschen Mittelpunkt


Manchmal steht man vielleicht im Mittelpunkt und will es gar nicht. Wollte das nie. Das Spotlight direkt auf mich gerichtet, und es fällt schwer, die anderen um mich herum überhaupt noch zu erkennen, so sehr blendet das Licht. Bisher war ich zwar auch mitten drin, aber nicht so. Nicht ein solcher falscher Mittelpunkt, der ich gar nicht sein will.
Und schon will ich mich ducken. Und schon auch behaupten. Und schon ist im grellen Licht jede Falte zu sehen. Werden Dinge an mir, vielleicht sogar in mir nicht nur sichtbar gemacht, sondern aufgepumpt wie ein weißer Ballon, der immer größer zu werden und schon bald zu platzen droht. 
Wenn selbst in den Kreisen, in denen ich mich sicher oder gar geborgen fühlte, es unsicher für mich wird. Wenn selbst da, wo ich mich eigentlich respektiert und angenommen wusste, plötzlich Zweifeln entstehen und mir Halt verloren geht. Wenn die Mauer, die mich abgrenzt, nun einen falschen und scheinbaren Schutz bietet - wo finde ich dann noch Halt? Wo hin sollte ich gehen?
»Nehmet einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob«, heißt es in Römer 15,7.
Wie hat uns Christus angenommen und wie nimmt Er uns noch heute an?
So wie wir sind.
Wenn alles weg bricht; wenn jeder Halt zu fehlen scheint, dann gibt es aus meiner Sicht nur noch den einen Weg: geh zu Jesus. Wie solltest Du das tun? Wie kommst Du da hin? Wie weit ist der Weg zu Ihm? Es ist der kürzeste Weg: nenne nur Seinen Namen, seinen heiligen Namen. Und Er ist da. Und hört Dich. Und gibt Halt. Kein Felsen, auf dem Du stehen könntest, steht fester und unerschütterlicher. 

3. Mai 2012

Hängend


Gibt es eigentlich etwas, woran ich hänge? Nun, ganz sicher. Zum Beispiel der Apparat, mit dem ich das Bildchen gemacht habe, das ich hier zur Schau stelle. Und noch so ein paar andere Dinge, welche teilweise für diese Welt keinerlei Bedeutung haben mögen, aber für mich selbst schon. Also eben einen so genannten »ideellen Wert« haben. Ein paar Bücher beispielsweise. Es gibt Bücher, die einen Wert auch auf dem Markt haben, aber mir nahezu nichts bedeuten. Andere jedoch gar keinen Wert (vielleicht ein paar Cent), aber mir in der eigentlichen Bedeutung lieb und »teuer« sind. Eines dieser Bücher ist aus dem Nachlass meines Vaters. Es ist das für mich persönlich - neben meiner Bibel - wert-vollste Buch. Es fällt langsam auseinander, trägt zig Lesezeichen, ist drei Monate nach meiner Geburt ein Geschenk meiner Großmutter an meinen Vater gewesen - und ist mir für das, was ich gerade tue, zum Segen geworden wie kaum etwa anderes. 
Aber den ersten Satz kann man auch ganz anders verstehen. Gibt es Dinge, an denen ich hänge - und sie gerne loswerden möchte? Hänge ich an etwas, das mich schlicht unfrei macht? Das mich davon abhält, endlich weiter zu ziehen, weiter zu fahren, um neue Ufer erreichen zu können? 
Es gibt Dinge, auch und wohl auch gerade aus der Vergangenheit, die mich binden und unfrei machen können. Freiheit ist nicht nur ein Begriff, der dem obersten Haupt unseres Landes etwas bedeutet. Mir sind die »Kirschen der Freiheit« schon als junge Seele unbedingt schützenswert gewesen und sind es geblieben.
Aber frei, innerlich frei geworden bin ich erst, als ich mich selbst aufgegeben habe. Um mich dann nicht neu zu gewinnen, sondern zum Eigentlichen zu finden. 

»Nur wenn der Sohn euch frei macht, seid ihr wirklich frei.« (Johannes 8,36, Neue Genfer Übersetzung)

17. April 2012

Weiten

Es gibt Zeiten, in denen wir einfach Weite brauchen und die Enge uns den Atem raubt. Es gibt Zeiten, in denen wir den Mief der eigenen vier Wände nicht mehr ertragen; vielleicht auch Zeiten, in denen wir den Mief in uns selbst nicht mehr ertragen können. Und manchmal müssen wir einfach nur die Lungen füllen, um wieder atmen zu können. Der Prediger der Prediger C. H. Spurgeon empfahl seinen Schülern: »Ein kräftiger Schluck Seeluft oder ein tüchtiger Spaziergang im Wind füllt zwar nicht die Seele mit Gnade, aber doch den Körper mit Sauerstoff, was das Nächstbeste ist.« Und man/ich denkt(e) sofort an "die gute alte Zeit", in der wir nur draußen waren als Kinder. Mein Bruder und ich liefen stundenlang durch den Wald. Wir spielten auf Wiesen, wir spielten in Gräben, wir spielten in kleinen Bächen, wir waren unfassbar viel draußen. Und in den "neuen Bundesländern" konnte ich oft Kinder noch so spielen sehen - wie wir es damals durften.
Und wenn ich es dann endlich einmal geschafft habe, den Schreibtisch zu verlassen, um den Körper mit Sauerstoff zu füllen, dann staune ich nicht nur darüber, wie gut es mir getan hat. Sondern wie schön und weit auch in meiner Nähe die Welt ist, die ich oft nur von meinem Fenster aus sehe und an ihr vorbeirausche, weil ich ja so dringend von A nach B muss.
»Wie zahlreich sind doch deine Werke, Herr, alle hast du mit Weisheit ausgeführt, die Erde ist erfüllt von dem, was du geschaffen hast! Da ist das Meer, schier endlos groß und weit..« Psalm 104, 24/25 (Neue Genfer Übersetzung)
Das Bild ist vor vielen Jahren in der Bretagne entstanden, noch mit einer analogen Leica M. In einer Gegend, die auch als das Ende der Welt bezeichnet wird.

12. März 2012

Leben

Endlich kommt ganz sichtbar wieder Leben in die Natur. Und so treibt es mich in die Nähe »meines« Waldes, an dem ich im letzten Jahr so einige Male entlang gezogen bin. Auch sind viele Vögel wieder im Lande und sorgen mit ihren Stimmen für eine bessere Stimm-ung in mir. Und sogar Licht ist an diesem Tage ausreichend da - und was dies in mir macht, das kann ich kaum in Worte fassen. Es wirkt auf mich, als sei die Nacht vorbei und endlich wieder Tag...

10. März 2012

Schüsse aus der zweiten Reihe

So wenig Zeit, einfach einmal mit der Kamera um die Häuser zu streifen. Und so blieb gerade nur bei einer Besorgung in der Stadt ein kurzer Moment, als ich die M um den Hals baumeln hatte, um aus der Hüfte einen Schuss zu wagen. Es wird Zeit, dass endlich etwas mehr Licht auf die Straßen kommt und auch etwas Raum und Lust da ist, um vom Schreibtisch nach Draußen zu fliehen. Werde mir in den nächsten Wochen diese Zeit suchen und einfach nehmen; mein Entschluss ist da. Dann hoffentlich keine "Schüsse" mehr - und kein Fotospam - ich gelobe es...

5. Februar 2012

Rose unter den Dornen

Schon als Kind erstaunte es mich, dass eine Blume, der man die Wurzel abschneidet, weiterleben kann. Besonders bei Schnittblumen bewunderte ich dies. Zu unserem besonderen Tag hatte ich meiner Beate eine Rose mitgebracht. Sie erfreute uns ganze 18 Tage lang; aber heute senkte sie ihr Haupt. Noch immer sieht sie schön aus, hat aber wohl endgültig ihr Leben ausgehaucht.
Als Kind und Jugendlicher sah ich keine Rosen, ich nahm sie gar nicht wahr. Für mich waren die einzigen Blumen Gänseblumen und vor allem aber Sonnenblumen. Meine Mutter erzählte mir oft, dass ich als Kind vor den Sonnenblumen in unserem Garten stand, strahlte und sagte, dass Blumen so ausschauen müssen. Späterhin liebte ich die weißen Rosensträucher im Garten meiner Eltern. Wir standen oft am Fenster, auch mein Vater, und erfreuten uns an ihnen. Und als Erwachsener liebe ich nun Rosen wie mein Vater sie liebte.
Aber diese Rose hat besonders etwas mit uns zu tun und mit ihr, meiner Geliebten. Und ich musste an ein Wort aus dem Hohelied Salomos denken: »Wie eine Rose unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern.« (Luther, 1912) Ja, Du bist mir die Rose unter den Dornen.

20. Januar 2012

Geburtstage, die keine sind

Es gibt Geburtstage, die eigentlich keine sind und einem vielleicht mehr bedeuten als ein solcher Ehrentag.

Vor drei Jahren lernte ich einen Menschen kennen, der mir sehr viel bedeutet. Der mein Leben ziemlich durcheinander gebracht, vor allem aber bereichert hat. Es ist inzwischen unmöglich für mich, mir dieses Leben ohne ihn vorzustellen. Dieser Mensch hat einen wichtigen Teil meines Herzens erobert wie nie jemand zuvor.

Sie gehört zu mir - wie Menschen, mit denen ich aufgewachsen bin, obwohl ich sie erst drei Jahre kenne. Sie findet mein Ohr wie niemand zuvor. Aber auch ich finde in ihr den Menschen, dem ich alles sagen will.

Es begann mit ein paar Zeilen, ging über in schier endlose Telefonate, welche die Beteiligten in Erstaunen und nicht nur in Verzücken versetzten.

Dieser Dialog findet kein Ende. Wir haben uns über das Wort kennen und lieben gelernt. Und ich danke meinem Gott für dieses unfassbare Geschenk, das er mir mit ihr gemacht hat. Dieses endlose Gespräch zwischen ihr und mir möge niemals enden. Und vielleicht versteht sie mich mehr als je ein Mensch vor ihr.

Sie ist mir eine Freude. Und es gibt keine Begegnung mit ihr, auf die ich mich nicht freue.

Es ist mein größter Wunsch, dass wir Hand in Hand weiterziehen. Und uns auf den heilenden Gott verlassen, der uns zusammen geführt hat. Dann wird Licht auf den Wegen sein, die wir nicht kennen - er aber für uns bereitet hat. Mein geliebter Schatz, lass uns auf dem Weg niemals aufhören miteinander zu sprechen.....