19. April 2013

Niemals hätte ich das erwartet. Wie hätte ich das ahnen können? Warum hat mich niemand darauf gebracht? 
Wie lange hatte ich gesucht. Wie lange nach Antworten gesucht und bekam immer nur Steine. Wie lange irrte ich innerlich umher. Solange bis ich auch äußerlich umherirrte und kein Zuhause mehr fand. Nicht in meiner Ehe, nicht in meinem Beruf, den ich geliebt hatte. Nicht in meiner Familie. Nicht in dem, was mir so viel bedeutet hatte. Nicht in der Kunst, nicht der Literatur.
Immer einmal gab es einen Wink, einen Hinweis. Aber nie liess ich mich darauf ein. Das kannte ich doch aus meiner Kindheit. Diesen Kinderglauben. Dass es einen Gott gibt, der auf mich sieht. Einen, der mich angeblich liebt. Wie sollte das gehen, wenn ich ihn nicht kannte, wie sollte er mich kennen können? 
Brennende Fragen. Keine Antworten. Nur Steine oder wirres Zeug, das mir keine Hilfe war. Irgendwelche Formeln, philosophische Systeme, bei deren Studium ich sofort ahnen konnte, dass ich mich selbst schon in kein System pressen kann und will. 
Wofür das alles? Was für einen Sinn hat dieser ganze Kram? Dieses durchs-Leben-quälen. Diese wenigen Wimpernschläge des Glücks konnten mich schon gar nicht befriedigen. Das sollte dann alles gewesen sein?
Wozu sollte ich leben? Nur um mir ein "Häusle bauen zu können", Kinder zu zeugen und zu erziehen - und am Ende allein in einem fast leeren Haus den Lebensabend abzusitzen, um irgendwann in einer Holzkiste unter der Erde zu liegen? 
Mich um Menschlichkeit, ja sogar Menschenrechte zu kümmern - und wieder zu sehen, dass dieses Ansinnen zwar gut ist, aber in einem Nichts endet? 
Wie hätte ich das ahnen können, dass es in dem zu finden ist, was ich als Kind verlassen hatte? 
Dass ich Brot bekommen kann und keine Steine? Und dass dieses Brot Leben bedeutet? Dass es eine Tür gibt, durch die ich gehen kann und muss nicht verloren gehen, sondern darf erst recht leben? Dass ich unendlich geliebt bin und man von mir weiß, mich so annimmt wie ich bin. 
Und spätestens da hätte ich wieder alles hinterfragen können. Wenn ich tatsächlich unendlich geliebt bin - wer kann unendlich lieben? -, wie sollte ich vor diesem "Unendlich", vor diesem "Ewig" erscheinen können mit all dem, was ich an Schuld auf meinem Rücken trug? 
Wie sollte ich durch diese Tür gehen können - mit dieser Schuld? Wie sollte ich da nicht zurückgestossen werden? Wie sollte mir da nicht ein "Nein" entgegen geschrieen kommen und alles wird und ist wieder sinnlos? 

Dieser "Unendlich", dieser "Ewig", dieser "Ewig-Vater" sagt durch seinen Sohn: 
»..wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.«

Er hat mich nicht hinausgestossen. Er wird auch Dich nicht hinausstossen. 


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