20. Juni 2014

Unklare Wege



Wenn ich meine Brille absetze, dann ist keine Klarsicht mehr. In irgendeiner Art kann ich mich fortbewegen, kann mich einigermaßen orientieren, aber es gibt kein sicheres Fortbewegen mehr. Die Anstrengungen gelten nur noch dem Wie des Vorwärtskommens. Zu sehen aber, was wirklich ist, was mich umgibt, wo ich mich aufhalte ist nicht mehr möglich. Das Äußere kann zudem nichts mehr mit meinem Inneren machen. Es ist ein Hangeln, ein Retten, kein natürliches Bewegen mehr möglich. 
Viele Jahre, ja Jahrzehnte war dies so in meinem Leben. Zu wenig sah ich klar - nein, eigentlich sah ich nicht klar. Ich lebte, und ich fürchte, dass dies eher einem Vegetieren gleich kam. 
So wusste ich nicht, dass ich einen Halt brauchte. Wusste nicht, dass ich geführt werden sollte. Wusste nicht, dass es einen Weg für mich gibt, der vorgezeichnet ist. Wusste nicht, dass dieses Vorzeichnen auch Freiheit für mich bedeuten sollte. 
So war ich wie blind. Bis ich an einem Tag - und ich werde diesen Moment nie mehr vergessen - noch einmal die Bibel aufschlug. Obwohl ich doch immer dachte: das ist rückwärtsgerichtet, von Vorgestern, was soll mir das jetzt noch sagen können..
Da fand ich Antworten. Ausgerechnet da fand ich Antworten auf Fragen, die ich mich kaum noch zu stellen wagte; da ich ohnehin keine Antworten mehr erwartete. Ich kannte, wie Hiob es einmal nannte, diesen Gott nur vom Hören-sagen. Dann aber konnte ich ihn sehen. 
Und spreche nun seit Jahren das nach, was ein Lieddichter einmal so beschrieb: »Aber nun bleibe ich für immer bei dir, und du hast mich bei meiner rechten Hand gefasst.« (Psalm 73,23 nach der NGÜ)

Kommentare:

Manuela hat gesagt…

Hallo Joerg,
Karin hat mir von Deinem Blog erzaehlt und ich habe ein bisschen darin gelesen. Hast Du Erloesung durch Jesus gefunden?
Ich bin jetzt seit etwa 16 Jahren eine Christin, in einer unabhaengigen Baptistengemeinde in Amerika und bin sehr gluecklich ueber meine Entscheidung mich Jesus anvertraut zu haben.
Ich wuerde gerne mal mit Dir ueber email plaudern, da ich Freunde in Deutschland habe, die suchen. Ich wuesste einfach gerne was Dich zum Glauben gebracht hat. Ich meine, Deine Umstaende.
Oh, ich hoffe, Du erinnerst Dich noch an mich, Karin's Freundin Manuela.

jörg kassühlke hat gesagt…

Hallo Manuela, verzeih, aber mir ist Dein Kommentar nicht aufgefallen...
Einen Moment: DIE Manuela?? Deine Heimat ist im Frankenland?
Wenn Du das bist, dann freue ich mich wirklich so sehr über Deine Nachricht!!!
Schaue doch einmal hier:
http://www.andreasgemeinde.info
Über die dortige Kontakt-Email erreichst Du direkt mich.
Ganz herzliche Grüße!
j.